Tjado Galic – “Befunderhebung und Diagnostik in der homöopathischen Praxis bei akuten Zuständen”

Klinik der Atemwegsymptome – PDF zum Download

Tjado Galic

In der ambulanten Praxis ist der Symptomenkomplex Husten mit und ohne Fieber das häufigste akute Behandlungsanliegen. Vom praktischen Vorgehen ist dabei ein Erstkontakt von der akuten Fallaufnahme eines sich in Behandlung befindenden Patienten zu unterscheiden.
In 80-90% der Fälle handelt es sich um unspezifische Infekte der oberen und unteren Atemwege und bleibt auch im weiteren Geschehen unspezifisch. Nur in 10% d.F. zu Beginn und weiteren knapp 10% im Verlauf zeigt sich ein spezifisches Symptomenbild einer „definierbaren Erkrankung“. Gegliedert nach häufigen Zusammenhängen der Auswertung eigener Kasuistiken ergibt sich folgende Gruppierung:

*(K) spezifisch für Kinder *(E) spezifische für Erwachsene; ohne Kennung alle Altersgruppen



HÄUFIGE ZUSAMMENHÄNGE [BIS 80%]

  • Husten ohne Krankheitssymptomatik *(K)
  • Infektionen der oberen Atemwege, spezifisch Pseudokrupp & Tracheitis *(K)
  • Infektion der unteren Atemwege: Bronchitis*(E) obstruktive Bronchitis *(K) (Bronchio-)Pneumonie
  • Asthma bronchiale
  • Rhinitis und sinubronchiale Symptomatik (E)
  • Reflux
  • Psychogener Reizhusten (E)

SELTENER IN DER PRAXIS [BIS 20%]

  • Krampfhusten *(K)
  • Sarkoidose *(E)
  • COPD mit Exazerbation *(E)
  • Lungentumor & Pleurametastasierung *(E)
  • Folgen von Lungenbestrahlung *(E)
  • Linksherzinsuffizienz *(E)
  • Unerwünschte Arzneiwirkungen (ACE-Hemmer) *(E)
  • Bronchiolitis *(K)
  • Mukoviszidose *(K)

EINZELFÄLLE [STATISTISCH NICHT ERFASST]

Postpoliosyndrom; Zwerchfellparese; Tuberkulose Z.n. ; Lungenödem bei Herzinsuffizienz; mediastinales Lymphom; Lungenfibrose; u.a. ….“

Da akute Konsultationen in der homöopathischen Praxis im Ggs. zum Allgemeinmediziner mit 7-9 min einen Zeitrahmen von 20-40 min erfassen und manchmal sogar noch länger dauern, sollten gerade Homöopathen effektiv Zeit für eine eingehende klinische Untersuchung und eine gut strukturierte umfassende Anamnese haben, welche die diagnostischen und therapeutischen Wege gut bis sehr gut erfassen kann.
Dabei geht es klinisch nicht nur um das Erkennen von abwendbar gefährlichen Verläufen (AGV) sondern vielmehr um ein Verständnis der vorliegenden Symptomatik einschließlich einer zielorientierten Patientenführung. Anamnese und Diagnostik sollen dabei den Schwerpunkt und Schweregrad der Erkrankung erfassen und gleichzeitig die Grundlage für die Individualisierung (Arbeitshypothese und Verlaufsparameter) der Arzneidifferentialdiagose liefern. Ausgehend vom diagnostischen Verständnis zeigen sich die meisten akuten Behandlungsanliegen in der homöopathischen Praxis nicht als einfache akute Symptomenbilder mit transistorischem Leidensdruck, sondern als

  • krisenhafte Zuspitzungen latent vorbestehender Erkrankungen
  • anbehandelte, protrahierte Krankheitsverläufe
  • Akutphase von Kindern während des Immunkompetenzaufbaus vom 1-7Lj.
  • Patienten mit kompliziert einschätzbaren Remodellierungen der Atemwege infolge chronifizierter Entzündungen
  • Unheilbare fortschreitende Exazerbationen

Im breiten Spektrum der unterschiedlich häufigen Zusammenhänge (s.o.) wird deutlich, dass eine schematische Falldiagnostik, z.B. die anamnestische Suche nach Leitsymptomen oder einseitige Bevorzugung von Symptomen und Phänomenen der Grundregulation, sowie auch einseitig vereinheitlichende differentialdiagnostische Vorgehensweisen, z.B. nur Modalitäten, Polaritäten, nur Prüfungssymptome, vorwiegend Empfindungen, starre Repertorisationsschemata usw. dem Praxisalltag nur bedingt entsprechen kann. Für den Homöopathen stellen sich dabei vor allem folgende Fragen:

Welche Symptome bilden die Totalität des Falles? Mit anderen Worten: wie gelange ich zu einer validen Arbeitshypothese?
Welche Symptome helfen zur Arzneidifferenzierung in den unterschiedlichen Anliegen?
Gibt es differentialdiagnostisch hilfreiche Rubriken für bestimmte Zustände?
Sind die eingetragenen Arzneimittel verlässlich referenziert?
Gibt es für bestimmte Zustände Arzneimuster die häufiger auftauchen und woran sind diese erkennbar?
Wie sieht eine angemessene Dosierung aus?
Anhand welcher Verlaufsparameter können die unterschiedlichen Fälle möglichst sicher eingeschätzt werden?
Wann ist eine stationäre Behandlung erforderlich? Wie kann diese begleitet werden?

Im Vortrag werden die spezifischen homöopathischen Aspekte der Diagnostik und Differentialdiagnose anhand einer Auswertung aus 12 Jahren systematischer Dokumentation zu den wichtigsten Anliegen vorgestellt.
Damit diagnostische Tipps und Tricks nicht zu kurz kommen, werden im Workshop anhand exemplarischer Kasuistiken alle Belange besprochen und der Untersuchungsgang mit allen Fallstricken demonstriert. Es bleibt Zeit für individuelle Fragen und Erfahrungsaustausch.
Die Kenntnis der Erkrankungen, wie sie sich im Praxisalltag tatsächlich präsentieren, wird vorausgesetzt. Aus diesem Grunde, auch zur Auffrischung für Erfahrene, wird in der Zeitschrift vor dem Kongress (Homöopathie KONKRET Ausgabe 2.15, erscheint Anfang September) eine Abhandlung der klinischen Erscheinungsbilder und ihren Symptomenschwerpunkten erscheinen.

Klinik der Atemwegsymptome – PDF zum Download

>>> Fachvortrag am Freitag, 06.11.2015, 09:30 bis 11:00
>>> Workshop am Samstag, 07.11.2015, 14:00 bis 17:00


>>> zur Programmübersicht

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